Garantiert artgerechte Ernährung tatsächlich Gesundheit?

 

These:  „Man soll die Meerschweinchen artgerecht ernähren und sich an der Ernährung der Wildmeerschweinchen orientieren. Dann sind viele Krankheitsprobleme, die heutzutage auftreten, weniger bis gar kein Thema mehr. Viele Krankheiten ergeben sich eben genau daraus, dass die Tiere nicht artgerecht ernährt werden“.

 

Der Blick auf die Nahrung der "Vorfahren" unserer Hausmeerschweinchen oder Wildmeerschweinchen ist sehr wichtig, allerdings wird meines Erachtens bei diesem immer folgendes übersehen:

 

*Hüstel*. Ich weiß ja nicht, ob die Theoretiker überhaupt jemals nachgedacht haben, welche Kriterien in der Natur die Auswahl bestimmen, aber wenn ja, dann müssen sie sich die Natur selbst als sehr liebevoll vorstellen. Ihr höchstes Ziel scheint zu sein, dass ihre Spezies gesund und glücklich durchs Leben gehen, also setzt sie auch alles daran, dass die einzelnen Individuen möglichst alt werden. Ein schöner Gedanke, nicht? Hat nur leider rein gar nichts mit der Realität zu tun.

 

Der Natur selbst ist es im Gegenteil sogar vollkommen egal, ob das Einzelindividuum jung oder alt stirbt, schon gar ob es alt UND gesund stirbt. Optimierung in der Natur zielt nicht auf maximale langfristige Gesundheit ab, sondern auf eine Maximierung der Fitness, dh. der Reproduktionskapazität. Der Natur geht’s also rein nur um die Fortpflanzungsfähigkeit!!! einer Art. Nur diese sichert den Erhalt einer Population und nicht, dass einzelne Tiere möglichst alt werden. Im Gegenteil – die Natur nimmt sogar in Kauf, dass solche Gene weitervererbt werden, die für die Gesundheit der Einzelindividuen schlecht sind, für die Förderung der Fortpflanzung aber gut (Beispiele mit Quellennachweis gerne bei Bedarf auf Anfrage).

 

Kurzum: optimale Gesundheit des Individuums/Einzeltiers ist in der Natur kein Auswahlkriterium. Aus der Ernährung in der Natur kann daher nicht geschlossen werden, dass dies optimale Gesundheit bedeutet. Es bedeutet lediglich, dass diese Ernährungsform geeignet ist, das Überleben und den Fortpflanzungserfolg einer Art zu sichern. 

 

Wenn man jetzt ganz perverser Weise daran denkt, dass die Meerschweinchen, so sehr wir sie auch lieben, als reine Futterquelle in der Natur vorgesehen sind, müsste uns umso bewusster werden, dass bei diesen eine möglichst lange Gesundheit und ein hohes Lebensalter nicht Prämisse Nummer eins ist. Sorry, klingt hart, ist aber so!

 

Was ebenso immer übersehen wird: Nur, weil sich die Wildformen in der Natur an gewisse in ihrer Umgebung vorhandene Nahrungsmittel angepasst haben, bedeutet das noch lange nicht, dass nicht andere Nahrungsmittel, die im natürlichen Lebensraum  nicht vorkommen, nicht ebenso passend sind.

 

Gerne wird auch mit dem Aufbau des Verdauungstraktes argumentiert. Prinzipiell sicherlich berechtigt, solange es nicht übertrieben wird.

 

Dass der Magen-Darm-Trakt nicht immer an die Ernährungsweise angepasst ist, beweist uns nämlich z.B. der Pandabär. Wie sicherlich allen bekannt ist,  lebt er von Bambus, dem ballaststoffhaltigen Gras. Er ist also offensichtlich ein Vegetarier, nicht wahr? Nein, ist er nicht, denn sein Magen-Darm-Trakt ist der eines typischen Fleischfressers. Dies ist auch damit bedingt, dass der Pandabär zu der Überfamilie der Marder- und Bärenartigen gehört. Der Magen-Darm-Trakt ist also offensichtlich nicht zum Zweck des Verzehrs von Bambus ausgerichtet – gleichwohl kann er Unmengen von Bambus verarbeiten. Der Pandabär lässt sich seine ganz und gar „nicht-artgerechte“ Bambusspeise schmecken – wahrscheinlich ist er nur noch nicht den Bekehrern von artgerechter Ernährung in die Hände gefallen.

 

Ach ja… und ist überhaupt der Blick auf die Wildmeerschweinchen hinsichtlich der Ernährung wirklich der Richtige? Ist nicht der Blick auf die Vorfahren unserer Hausmeerschweinchen, die gezüchteten Meerschweinchen, die bereits seit ca. 3000-4000!!!!!!!!!! Jahren uns Menschen begleiten, der Bessere? Was ich damit meine, findet ihr HIER und HIER.