HAARLINGE:

 

Allgemeines:

Haarlinge sind Parasiten aus der Gattung der Tierläuse. Es sind kleine, ca. 1 bis 1,5 Millimeter große flügellose Insekten. Im Gegensatz zu den sonstigen Tierläusen saugen sie jedoch kein Blut, sondern leben von Hautschuppen, Hautsekreten und Haaren. Die Eier (Nissen) der Haarlinge werden direkt an die Haare angeklebt und Haarlinge sind mit bloßem Auge erkennbar. Haarlinge sind streng wirtsspezifisch. Die gesamte Entwicklung findet am Wirt statt, bevorzugt halten sie sich sogar immer nur am gleichen Meerschweinchen auf.

 

Ursachen:
Haarlinge werden zumeist durch einen Neuzugang, der mit Haarlingen befallen ist, eingeschleppt. Eventuell kann aber sogar der Mensch Haarlinge einschleppen (Zwischenwirt).
Tiere mit einem intakten Immunsystem werden mit einem Haarlingsbefall zumeist alleine fertig. Erst wenn eine Immunschwäche vorliegt, kann der Haarlingsbefall überhand nehmen und so zu Beschwerden führen.


Ursachen für ein geschwächtes Immunsystem können unter anderem sein:

  • Stress– entweder in der Gruppe (durch Neuzugänge, Vergesellschaftungsprobleme, Rangordnungskämpfe etc) oder durch andere Faktoren (Umzug, neuer Besitzer, neue Umgebung etc). 
  • Übertriebene/Mangelnde Sauberkeit: dauerndes Desinfizieren des Käfigs/Geheges/Auslaufs schadet mehr, als es nützt. Im Gegenteil: durch diese Überhygiene können die Tiere zu wenige Abwehrkräfte bilden und sind damit anfälliger für Krankheiten! Ein Desinfizieren nach dem Reinigen des Käfigs/Geheges ist im Normalfall nicht nötig. Es reicht auch die Reinigung mit Apfelessig oder Zitronenessenz! Genauso führt jedoch auch eine mangelnde Sauberkeit (zu seltenes Ausmisten) dazu, dass die Keime überhand nehmen können und die Tiere geschwächt werden.
  • Auch sonstige Krankheiten oder eine nicht ausgewogene Ernährung können das Immunsystem schwächen.

 

Erkennungsmerkmale:


Haarlinge sind mit bloßem Auge, aber zumindest spätestens unter dem Mikroskop zu erkennen. Die Eier (Nissen) der Haarlinge sind als kleine stecknadelkopfgroße Punkte zu erkennen, die an den Haaren der Tiere kleben. Die erwachsenen Tiere sieht man tatsächlich als Punkte oder kleine Würmer im Fell krabbeln, da diese sich viel bewegen. Die erwachsenen Haarlinge halten sich bevorzugt in jenen Bereichen auf, wo das Fell dunkler ist. Erwachsene Haarlinge können je nach Erregerart weiß bis dunkel gefärbt sein.

Die befallenen Meerschweinchen zeigen zumeist folgende Symptome:

  • Häufiges Kratzen, da Haarlinge einen heftigen Juckreiz auslösen, damit verbunden: Blutige Stellen im Fell vom Kratzen
  • Ruckartiges Beißen auf eine Stelle des Felles
  • Schorfige, schuppige Haut
  • Unruhe, Nervosität der Tiere
  • Haarbruch, Haarausfall
  • Bei länger dauerndem Befall Konditionsverlust, Apathie


Maßnahmen:
Ab zum Tierarzt. Dieser kann den Haarlingsbefall feststellen, indem er ein Klebeband auf die Haut des Tieres drückt und dieses dann unter dem Mikroskop untersucht und wird dann die geeignete Behandlungsmethode herausfinden.

Zumeist reicht bei Haarlingen die Bekämpfung mit Hilfe von Sprays aus. Gängige Mittel sind dabei:

 

  • Frontline ad. Us. Vet Spray: ca. 3 Pumpstöße, Wiederholung alle 7-10 Tage, bis zu 3mal. Frontline ist allerdings eine Chemiekeule, die im Verdacht steht, Leberschäden auszulösen.
  • Bolfo Flohschutz Spray: ca. 3 Pumpstöße, Wiederholung alle 7-10 Tage, bis zu 3mal. Vom Bolfo Puder können wir hingegen nur abraten, da durch die „Einstauberei“ es viel zu gefährlich ist, dass die Tiere das Mittel einatmen (nebenbei ist es auch schwer wegzubringen).
  • Bio Maxan von Hugro:ca. 3 Pumpstöße, Wiederholung alle 7-10 Tage, bis zu 3 mal. Von Bio Maxan erhält man viele positive Berichte. Es wird immer als natürliches Mittel angegeben, da es aus den Wirkstoffen einer Chrysanthemenart hergestellt wird. Allerdings enthält es auch Pyrethoide und damit ist es nicht gänzlich biologisch ^^. Pyrethroide sind nämlich synthetische Insektizide. Für sie typisch ist ihre rasche Wirksamkeit auch bei niedriger Dosierung, und die geringe Giftigkeit.

    Wichtig: Der Verkauf von Bio Maxan wurde aufgrund oben angeführten Punktes inzwischen verboten. Siehe z.B.:
    https://www.facebook.com/FutterParadies/posts/598698933496648
  • Exner Petguard: rein biologischer und ökologisch abbaubarer Spray; daher wird er von vielen Haltern bevorzugt empfohlen, jedoch sind die Aussagen über die Wirksamkeit sehr unterschiedlich. Die Behandlung ist täglich für 14 Tage zu wiederholen, was mir meines Erachtens sehr stressig für die Tiere erscheint.

Wichtig bei der Behandlung mit Sprays: Nie direkt auf das Tier sprayen, sondern besser auf den Händen verteilen (Handschuhe!!) und damit das Fell der Tiere durchrubbeln. Aufpassen, dass das Tier das Mittel nicht einatmet, daher immer abseits des Tieres den Spray verwenden.

 

  • Gegen das Jucken der Haut kann man den Tieren zur Linderung Fenistil Tropfen (3 mal täglich ein Tropfen mit etwas Wasser vermischt) geben oder Fenistil-Creme auf die betroffenen Stellen auftragen. Auch hilft manchmal gut Ringelblumensalbe oder einfaches Olivenöl.

Bei hartnäckigem Befall muss man eventuell mit Pour Ons arbeiten. Anbieten tun sich in diesem Fall besonders:

  • Advocate für Katzen und Frettchen: Dosierung: Bei Tieren unter 500g 1 Tropfen (ca. 10mg), ansonsten 2 Tropfen (ca. 20mg) und bei Meeris um 1,5 kg auch 3 Tropfen auf die kahle Stelle bei den Ohren. Der Wirkstoff hält hier laut Angaben des Herstellers 4 Wochen, laut Rücksprache mit Frau Meier ist trotzdem eine Wiederholung im Abstand von 7 bis 10 Tagen bei stärkerem Befall sinnvoll.
  • Eventuell auch Stronghold, Bei der Dosierung gibt es unterschiedliche Angaben, zumeist werden 15mg/kg empfohlen. Eine Absprache mit dem Tierarzt ist erforderlich. Stronghold wird auch auf die kahle Stelle hinter dem Ohr aufgetragen und die Wirkung hält für 4 Wochen!

    Wichtig: Bei der Behandlung mit Spot Ons empfiehlt es sich, das behandelte Tier nicht sofort wieder in das Gehege zurückzusetzen, sondern etwas abzuwarten, bis das Mittel in die Haut eingezogen ist. Dies kann einige Zeit dauern, ist aber sinnvoll, da man so beobachten kann, ob das Tier nicht seinen Kopf schüttelt und so den Spot On fröhlich in der Gegend verteilt^^. Außerdem gibt es Artgenossen, die oftmals die gerade behandelten Patienten just hinter ihrem Ohr abschlecken wollen - dies muss vermieden werden. Während der Wartezeit können unerschrockene Tiere sicherlich mit einem besonderen Leckerchen abgelenkt werden^^.

Homöopathische Unterstützung:
Engystol ad. Us.Vet. zur Steigerung der Abwehrkräfte: 0,5 bis 1ml 1mal täglich, höchstens 1 Woche
Sulfur D 30 in Kombination mit Sulfur D6: zur Unterstützung der Haut. 3mal täglich je 3 Globuli.

 

 

Ergänzendes:

Auch bei den Haarlingen wird, wie beim Milbenbefall, zwischen den Haltern diskutiert, ob die Behandlung des befallenen Tiers ausreicht oder ob die ganze Gruppe mit behandelt werden muss. Ich möchte hier wieder von meiner eigenen Erfahrung sprechen: die Behandlung des befallenen Tiers hat bei mir immer genügt. Die gesamte Gruppe ist jedoch regelmäßig auf Haarlinge zu kontrollieren.

Bei Haarlingen ist eine normale Reinigung des Geheges (mit Apfelessig oder Zitronenessenz) sowie des Auslaufs ausreichend, eine spezielle Umgebungsbehandlung, insbesondere mit Desinfektionsmittel, ist nicht erforderlich. Haarlinge sind erstens nicht sehr widerstandsfähig und zweitens wie oben schon erwähnt ausschließlich wirtspezifisch, dh. alle Entwicklungsstufen der Haarlinge spielen sich nur auf dem Tier ab.