Da es schon genügend Seiten gibt, wo das Thema Haltung ausführlich beschrieben wird, haben wir uns nur ein paar Themengebiete herausgesucht, die uns besonders wichtig erscheinen.

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Gruppenhaltung:

 

Meerschweinchen sind RUDELtiere. In der Natur lebt ein Bock mit 5 bis 9 Weibchen in einer Gruppe zusammen. Gruppenhaltung bei Meerschweinchen ist daher Pflicht – die Haltung von zwei Meerschweinchen ist das Minimum.

 

Man kann, wenn man nicht züchten will, entweder gleichgeschlechtliche Gruppen halten (Bockgruppe oder Zickenwirtschaft oder einen Kastrat mit Mädels)

 

Gerüchte um das Thema Haltung:

  • Ein Meeri alleine ist viel zutraulicher!

FALSCH!

Meerschweinchen in Einzelhaltung ist Tierquälerei und auch im österreichischen Tierschutzgesetz bereits verboten! Kein Mensch kann einem Tier den Partner ersetzen, selbst wenn er 24 Stunden nur um das Meerschweinchen herum ist (was eh keiner kann), ist der Mensch kein Partnerersatz.

Trotzdem auf die Haltung von nur einem Meerschweinchen zu bestehen, ist für uns purer Egoismus und hat mit wahrer Tierliebe nichts zu tun.

 

Wir können auch nicht bestätigen, dass Meerschweinchen zahmer seien, wenn sie alleine sind. Vielleicht sollte man dafür natürlich definieren, was zahm ist. Wenn man damit meint, dass ein Einzeltier sich vollkommen lethargisch ohne davon zu laufen aus dem Käfig zerren lässt, um dann ungeliebte Streicheleinheiten über sich ergehen lassen zu müssen, einfach, weil es sich selbst aufgegeben hat, ja, dann können wir mit unserer Bande nicht mithalten.

 

Wir sind immer wieder schockiert, was da für grausame und egoistische Halter dahinter stehen, die nur ihre eigene Sichtweise akzeptieren („aber das Meerschweinchen freut sich doch, wenn es genommen wird, schaut mal, es rennt gar nicht mehr weg und wie schön es am Schoß kuschelt“) und vollkommen über das Wohl des Tieres hinweggehen, um es jahrelang zu quälen und diese Tierquälerei auch noch als „liebevolle Haltung“ zu bezeichnen.

 

Zahm ist für uns, dass die Meerschweinchen fröhlich und unbeschwert auf den Menschen von sich selbst aus zugehen, ohne dazu gezwungen zu werden, dass sie sich freiwillig zur Kontaktaufnahme entscheiden, obwohl sie immer auch die freie Wahl hätten, das nicht zu tun!!

 

Zu Zeiten des Kitchen-Clans gab es z.B. acht Meerschweinchen und alle acht tanzten auf meinen Füßen herum, wenn ich ihr Futter aufgeschnitten habe, ich wusste mich damals kaum zu bewegen. Alle acht kraxelten auf mir herum, wenn ich mich zu ihnen am Boden setzte, ohne hochgehoben oder herausgezerrt zu werden. Manche blieben am Schoß sitzen, manche hüpften auf und ab.

 

  • Und nun zum anderen Extrem: nur 2 Meerschweinchen(damen) ist auch keine artgerechte Haltung!

WICHTIG!

Teilweise besteht in Meerschweinchenkreisen schon die Tendenz, eine Haltung von "nur" 2 Meerschweinchen als nicht artgerecht zu verurteilen. Hauptsächlich, wenn nur 2 Damen zusammensitzen wird beanstandet, dass kein Kastrat dazu genommen wird.

Unserer Ansicht nach ist hier der Tierschutz schon langsam zuviel des Guten. Natürlich ist eine größere Anzahl von Meerschweinchen ein unvergleichliches Erlebnis, siehe auch unsere Erfahrungen weiter unten. Sollte jedoch das Platzangebot nicht ausreichend sein, die finanziellen Mitteln beengt sein etc., so ist unserer Ansicht nach gegen die Haltung von nur 2 Meerschweinchen nichts einzuwenden. Bitte lasst Euch von den gutgemeinten, aber doch manchmal sehr über das Ziel schießenden Ansichen mancher Tierschützer hier nicht einschüchtern.

Ein Handlungsbedarf besteht aber dort, wo die 2er WG nicht harmonisch ist und hier echte Stressfaktoren vorliegen. Gegen eine harmonische 2er WG ist jedoch nichts einzuwenden. Einzelhaltung ist hingegen definitiv Tierquälerei.

 

  • Meeriböcke vertragen sich nicht!

FALSCH!

Beachtet man bestimmte Regeln, so ist das Zusammenhalten von Böcken absolut möglich. Eine gute Seite mit ausführlichen Infos zu dem Thema gibt es unter:

http://www.meerschweinchenverein.at/tipps_zur_bockhaltung.htm

 

Meine ersten beiden Meerschweinchen waren zwei Böcke. Damals wussten wir auch nichts davon, dass Bockhaltung nicht so klappen könnte. Zu meinen Kinderzeiten wusste man ja sowieso noch kaum etwas über die richtige Haltung, ein Käfig mit 60 cm mal 30 cm für zwei Tiere galt als Luxus, man wusste noch kaum, dass Heu täglich jederzeit zur Verfügung stehen sollte etc…. Instinktiv haben wir damals zu einem ca 6monatigen Meerschweinchen einen Babybock gesetzt und bei denen gab es nie Krach, auch nicht bei der ersten Begegnung!

 

  • Meerschweinchen und Kaninchen sind gute Partner!

FALSCH!

Dieser Blödsinn wird weiterhin von geschäftstüchtigen Verkäuferinnen in Tierhandlungen, leider teilweise sogar von Tierheimen behaupte, obwohl das österreichische Tierschutzgesetz diese Haltungsform bereits verbietet!
Kurzum: ein Kaninchen und ein Meerschweinchen sind keine geeigneten Partner. Möglich: mehrere Kaninchen und mehrere Meerschweinchen gemeinsam mit genügend Unterschlupfmöglichkeiten für die Meeris. 

Ein gutes Infoblatt zum Ausdrucken für dieses Thema gibt’s unter

http://www.unsere-rasselbande.de/Meerschweinchen/Infoblatt/haltung.pdf

 

  • Der Kastrat als Supermeeri?

Oftmals wird behauptet, dass ein Kastrat immer Ruhe in eine zickende Damengruppe bringt und dass er auch Eierstockzysten verhindert!

 FALSCH!
Ein Kastrat mit mehreren Mädels entspricht natürlich den Gegebenheiten der Natur, wo auch ein Bock mit seinem Harem zusammenlebt. Das wollen wir keinesfalls bestreiten!

Aber manchmal werden Kastraten als Lösung für alle Probleme innerhalb einer Weiber-WG proklamiert und die Halter sind dann wahnsinnig enttäuscht, wenn der aufgrund Anraten anderer Meeri-Experten aufgenommene Kastrat rein gar nichts bewirkt.

Es gibt Kastraten, die sich nicht mutig in einen Streit ihrer Damen einmischen, sondern denen das schnurzegal ist, Hauptsache, sie haben Ruhe. Es gibt auch Kastraten, die sich von noch so verführerischem Balzen ihrer brünstigen Damen nicht beeindrucken lassen, die also keinerlei sexuelle Aktivität mehr pflegen.

 

Dies hängt unserer Erfahrung nach auch nicht davon ab, ob der Kastrat ein Frühkastrat ist oder ob er erst nach Eintritt seiner Geschlechtsreife kastriert wurde. Nicht alle Frühkastraten sind "weibisch" und nicht alle anderen Kastraten Machos! Dies ist eine reine Charaktersache!

 

Sucht man daher bewusst einen Kastraten, der sozusagen Ordnung in die Bude bringt, seine Damen beglückt und tapfer jeden Streit supermeeri(man)mäßig schlichtet, so sollte man sich diesbezüglich auf alle Fälle an einen Züchter, der seine Tiere auch wirklich kennt oder an eine Notstation, die ebenso ihre Tiere kennen sollte, richten. Allerdings können diese keine Garantie für das Verhalten ihrer Tiere übernehmen, denn das Verhalten des einzelnen Meeris ist auch oftmals von der Gruppe abhängig. Stolze Angeber in der einen Gruppe können kleinlaute Schleicher in der anderen Gruppe werden!

Das sollte jedem bei der Anschaffung eines Haremswärters bewusst sein, sodass hier keine falschen Erwartungen zu ziemlicher Enttäuschung führen!

 

Wir würden - bei ausreichendem Platzangebot!!! - bei einer Damengruppe IMMER zur Aufnahme eines Kastraten raten, aber nicht, weil er als Supermeeri alle Probleme lösen wird, sondern weil ein Kastrat einfach für uns dazugehört und die meisten Kastraten irrsinnig liebenswerte Gesellen sind! Daher ein deutliches "JA" zu Kastraten, aber ohne irgendwelche Forderungen an sie zu stellen!

 

Zum Thema "Eierstockzysten" siehe genauer auch hier.

 

Meine bisherigen Erfahrungen mit Gruppen:

Ich hatte bis jetzt folgende Konstellationen, die ich miteinander vergleichen will:

-) 2 (bis 3) Böcke

-) 2 Weibchen

-) 1 Kastrat 2 Weibchen

-) 1 Kastrat 7 Weibchen

-) 1 Kastrat 5 Weibchen

 

2er - 3er Gruppen!
Die absolut meisten Zickereien gab es bei mir leider auch, als ich nur zwei Weibchen hatte. Trotzdem weiß ich von anderen Damenduetten, die bestens funktioniert haben. 

 

Die 2er bzw. 3er Böcke WG (wenn sie richtig zusammengestellt wird, dh. entweder Brüder von klein auf oder erwachsener Bock mit Babybock) kann bestens funktionieren und ehrlicherweise muss man eingestehen, dass es hier zumeist zu viel weniger Zickereien kommt, als bei den 2er Damen Gruppen!

 

Größere gemischte Gruppen!

Weiter oben schreiben wir, dass gegen 2er WGs nichts einzuwenden ist und nun kommen wir doch mit einer größeren Gruppe daher? Wieso denn das jetzt?


Nun, einfach deswegen: Je mehr Meerschweinchen, desto lustiger wird es für die Tiere (Voraussetzung: ausreichend Platzangebot!!!). Die Chancen auf Harmonie in der Gruppe steigt mit der Anzahl der Gruppenmitglieder. Die Meerschweinchen sind wesentlich aktiver, fröhlicher, unternehmenslustiger und selbstbewusster. Sie treiben sich wechselseitig voran und jeder lernt von dem anderen.

 

Ein weiterer Vorteil der größeren Gruppe liegt darin, dass sich Meeriönlichkeiten, die sich manchmal nicht so "riechen" können, leichter aus dem Weg gehen und so neue Grüppchen bilden können, die sich gut verstehen! Hat ein Meeri mal schlechte Laune, so teilt sich der Unmut überdies auf mehrere Tiere auf, klar nach dem Motto "geteiltes Leid ist halbes Leid". 

 

Größere Gruppen sind ein Erlebnis für Halter und Tiere. Was aber für uns trotzdem nicht bedeutet, dass eine 2er (Damen) WG keine artgerechte Haltung darstellt! Hier sollte jeder Halter für sich selbst beurteilen können und auch dürfen, was für ihn die geeignete Haltungsform darstellt!

Platzangebot/Einrichtungsgegenstände:


Laut österreichischem Tierschutzgesetz hat die Käfiggröße für 1 bis 2 Tiere mindestens 100×60×50 cm (Länge×Breite×Höhe), die Grundfläche für jedes weitere erwachsene Tier mindestens 2000 cm² betragen bei mehrmaligem Auslauf während der Woche.

 

Auf speziellen Meerschweincheninfoseiten spricht man schon von einer Käfiggröße von 150x70 cm für 2 Tiere.

 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele Leute von den Angaben verunsichern lassen. So wohlgemeint der Ratschlag der Tierfreunde ist, den Käfig möglichst groß anzugeben, so wenig wird oftmals berücksichtigt, dass es die Käfiggröße alleine nicht ausmacht! Es kommt unserer Ansicht vor allem auch darauf an, ob den Meerschweinchen zusätzlich zum Käfig/Gehege auch Freilaufmöglichkeiten zur Verfügung stehen oder nicht!

 

Unsere Sichtweise ist daher so:

Entweder ein sehr großes Gehege ab 2m² für 2 Tiere, wenn die Tiere immer nur im Gehege bleiben können oder

ein Käfig/Gehege in beliebiger Größe, sofern sie täglich zumindest tagsüber immer Freilauf haben.

 

Was wir damit meinen:

Was stört es, wenn z.B. einer Gruppe von 4 Tieren ein Käfig/Gehege von nur 100x50 cm zur Verfügung steht, aber die Meerschweinchen diesen/dieses jederzeit ganz einfach verlassen können und ihnen dann jeden Tag 24 Stunden lange ein Freilauf von z.B. 8m² zur Verfügung steht? Dieser Freilauf muss natürlich genug Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten haben, sodass die Meeris ihn auch gerne nutzen! Ein solcher Käfig dient ja dann praktisch nur als Rückzugsort und dagegen ist in dieser Situation rein gar nichts einzuwenden!

 

Die Möglichkeit Herumlaufen zu können ist für Meeris sehr, sehr wichtig!

 

Meerschweinchen sind entgegen der Gerüchte nämlich aktive und bewegungsfreudige Tiere, in einem zu kleinen Käfig ohne Auslauf verkümmern allerdings die Meeris und werden träge.

 

Das Gehege und der Freilauf sollten möglichst abwechslungsreich gestaltet werden, denn Meeris sind sehr verspielt und neugierig. Wenn man z.B. hin und wieder nach dem Aufräumen des Geheges oder Auslaufes nur Kleinigkeiten verändert, wird das von den Meerschweinchen normalerweise sofort begutachtet und auf Tauglichkeit überprüft.

 

Geeignete Einrichtungsgegenstände für Käfig und auch Freilauf sind z.B.:

  • Korkröhren, Plastikröhren (Durchmesser mindestens 15cm)
  • Baumrinden
  • Weidenbrücken
  • Kuschelrollen, Kuschelsäcke
  • Hängematten
  • Zweige
  • Unterstände:
    Ein Brett mit 4 Beinen ist leicht zusammengebastelt und wenn man das selbst nicht kann, gibt es genügend Angebote dafür im Internet!
  • Häuser:
    bitte nur solche wählen, die zumindest zwei Eingänge haben, damit es jederzeit Fluchtmöglichkeiten gibt. Bitte auch keine Häuser nehmen, die so schöne runde Fenster haben - hier besteht ernsthafte Verletzungsgefahr, wenn die Meerschweinchen versuchen, über diese Fenster ihren Weg zu finden!
  • Zweite Ebenen für Käfig/Gehege:
    diese können z.B. einfache Bretter sein, die mittels Haken befestigt werden. Meeris lieben es, erhöht zu sitzen und wo hinauf zu springen. Wichtig ist nur, dass sie nicht allzu hoch befestigt werden (ca. 15 cm).

Beschäftigungsmöglichkeiten für Meerschweinchen:

 

Richtig geförderte Meerschweinchen sind verspielt, neugierig und entdeckungsfreudig! Sie wollen nicht den ganzen Tag nur zum Fressnapf und zurück wandern!!!!

 

Deswegen ein paar Spieltipps:

 

  • Alte Pappkartons (unbedruckt) zum Durchlaufen, eventuell mit Heu gefüllt zum Herumwühlen. Meeris haben die Kartons sprichwörtlich „zum Fressen gern“.
  • Frischfutter verstecken (also nicht nur in Napf, sondern auf das Holzbrett, auf den Unterständen, in der Heuraufe etc… ) Meeris lieben es, zu suchen und herumzustöbern
  • Höhlen (z.B. aus Handtüchern oder mit Zweigen gebaut)
  • Röhren zum Durchlaufen (mindestens 15 cm Durchmesser)
  • Hindernisse aufbauen (z.B. Fressnapf auf Ziegelstein…..)
  • Futterspieße (in den Käfig hängen)
  • Klopapierrollen oder andere Papprollen (zum Annagen oder darin kann auch super Futter versteckt werden) uvm….
  • Kuschelröhren/-säcke mit Heu gefüllt
  • Blumentöpfe zum hineinkrabbeln
  • Ganze Tomaten: wenn Eure Meeris Tomaten gerne mögen, dann legt ihnen doch einfach eine ganze Tomate/Cocktailtomate in den Auslauf. Die sind nicht so leicht zu „knacken“ und die Meerschweinchen sind lange damit beschäftigt
  • Tunnel bauen: unsere Meeris lieben es, durch lange Tunnel zu laufen, es gibt aber auch Tiere, die das nicht so mögen. Tunnel sind leicht selbst gemacht: z.B. mehrere Kuschelrollen hintereinander oder mehrere Schuhschachteln…, können aber auch schon fertig gekauft werden
  • Unsere Meeris lieben es auch sehr, wenn man ihnen das Gras nicht direkt in den Auslauf legt, sondern auf Zweigen, die wiederum auf Weidenbrücken liegen und so oftmals eine Art „Brücke“ darstellen, verteilen, sodass das Gras wie ein grünes Dach über ihnen hängt.
  • Leckerlies im Heu verstecken: Beispiel: Klopapierrolle, in der Mitte ein Leckerli und dann mit Heu von links und rechts befüllen, das ist für sie ein riesen Spaß. Man kann aber auch ein Leckerli in einer(m) mit Heu befüllten Kuschelröhre/Kuschelsack, einem Pappkarton etc etc (siehe auch oben) verstecken